Montpellier: Reiseeindrücke und nachhaltige Konzepte einer südfranzösischen Metropole

Lesezeit: 5 Minuten

Montpellier in Südfrankreich: Mediterrane Stadt zwischen Geschichte, Moderne und Nachhaltigkeit

In einer Woche konnte man viel in Montpellier entdecken und auch sehen, wie die Stadt mit Hitze, Mobilität und nachhaltiger Stadtentwicklung umgeht.

Anreise

Da wir häufig mit Zug oder einer Kombination Zug/Bus verreisen, war ich dieses Mal sehr positiv überrascht wie unkompliziert die An- und Rückreise war: Von Saarbrücken ging es zunächst mit dem Bus nach Paris Bercy, anschließend ab Gare de Lyon weiter mit dem Zug nach Montpellier Saint‑Roch. Die Rückfahrt war sogar noch komfortabler. Ein direkter Zug nach Metz und von dort zurück mit dem Bus nach Saarbrücken. Die Fahrzeiten lagen bei der Hinreise bei etwa 10 Stunden (inklusive dem längeren Aufenthalt in Paris) und die Rückreise war mit 8,75 Stunden kürzer. Mit dem PKW wären es je nach Strecke etwa 8 bis 9,5 Stunden (plus Pausen).

Überblick

Montpellier liegt in der Region Okzitanien im Süden Frankreichs und zählt rund 310.000 Einwohner. Die Stadt ist bekannt für ihr mittelalterliches Zentrum, ihre Universitäten und ein Mobilitätskonzept, das Nachhaltigkeit sichtbar in den Alltag integriert. Mediterranes Klima, junge Atmosphäre und ein klarer Fokus auf Zukunftsthemen prägen das Stadtbild. Das Mittelmeer ist etwa 10 km entfernt und mit dem Bus gut erreichbar.

Geschichte & Charakter

Montpellier gehört zu den wenigen großen Städten Frankreichs, die nicht auf eine römische Gründung zurückgehen. Erstmals erwähnt wurde sie im Jahr 986. Heute ist Montpellier einer der bedeutendsten Universitätsstandorte Frankreichs. Etwa 60.000 Studierende sorgen für eine lebendige und offene Atmosphäre.

Beeindruckend ist der historische Stadtkern Écusson mit seinen engen Gassen, Innenhöfen und Kalksteinfassaden. Moderne Architektur und nachhaltige Stadtplanung ergeben zusammen mit der Altstadt eine interessante Kombination.

Enge Gassen im historischen Stadtkern Écusson in Montpellier.
Enge Gassen im historischen Stadtkern Écusson in Montpellier. Foto und copyright: Tanja Schedler

Sehenswürdigkeiten

Place de la Comédie in Montpellier mit Brunnen der drei Grazien im Vordergrund, dahinter mehrere Gebäude und blauer Himmel.
Place de la Comédie in Montpellier mit Brunnen der drei Grazien im Vordergrund. Foto und copyright: Tanja Schedler

· Place de la Comédie: Zentraler Platz, lebendig und idealer Ausgangspunkt

· Promenade du Peyrou mit Château d’eau du Peyrou:
Aussichtspunkt mit Blick über die Stadt

· Cathédrale Saint‑Pierre: Gotische Kathedrale mit markanten Rundpfeilern

· Jardin des Plantes: Ältester botanischer Garten Frankreichs, Biodiversitäts‑Hotspot

Château d’eau du Peyrou in Montpellier vor blauem Himmel mit einzelnen Wolken
Château d’eau du Peyrou in Montpellier. Foto und copyright: Tanja Schedler

Ein moderner Kontrast zur Altstadt zeigt sich im neueren Stadtteil Port Marianne. Die breiten Wege, die hellen Gebäude und die offene Gestaltung wirken deutlich zeitgenössischer als die engen Gassen des historischen Zentrums. Hier fällt sofort auf, wie bewusst mit Raum, Licht und Grün gearbeitet wurde. Wasserflächen, junge Bäume und klare Linien prägen das Viertel. Port Marianne ergänzt die Altstadt nicht nur optisch, sondern zeigt auch, wie Montpellier moderne Architektur und nachhaltige Stadtplanung miteinander verbindet. Die Stadt zeigt sich damit sehr zukunftsorientiert. Viele der Maßnahmen, über die ich vorher nur gelesen habe, sind im Stadtbild tatsächlich sichtbar und auch spürbar. Dazu gehören die kühlenden Grünflächen, ein gut ausgebautes Straßenbahnnetz und Architektur, die man an die sich ändernden klimatischen Bedingungen angepasst hat. Es war spannend zu sehen, welche Maßnahmen hier bereits erfolgreich umgesetzt wurden.

Port Marianne in Montpellier - zukunftsorientierte Stadtplanung mit modernen Gebäuden.
Port Marianne in Montpellier – zukunftsorientierte Stadtplanung mit modernen Gebäuden. Foto und copyright: Tanja Schedler

Infobox: Montpellier: Nachhaltigkeit auf einen Blick
– Kostenloser ÖPNV für alle Einwohner seit 2023
– 235 km Fahrrad‑Expressnetz „Vélolignes“ im Ausbau
– Umweltzone (ZFE) gegen emissionsstarke Fahrzeuge
– Hitzeresistente Architektur (Venturi‑Effekt, Maschrabiyya)
– Über 50.000 neue Bäume bzw. Pflanzen seit 2020
– Öko‑Viertel, wie Parc Marianne zur Kühlung des Mikroklimas
– Ausbau erneuerbarer Energien bis 2050 (PV, Biomasse, Fernwärme)

Nachhaltigkeit & Klimaanpassung in Montpellier

Hitzeresistente Architektur wird hier angesichts des Klimawandels und zunehmend extremer Sommerhitze immer relevanter. In Montpellier werden bei Neubauten deshalb bioklimatische Bauweisen eingesetzt. Beispielsweise wurden bei einem Gebäudekomplex diese zwei Methoden der bioklimatischen Architektur angewandt:

  • Venturi‑Effekt
    Das sind bauliche Verengungen, die den Wind beschleunigen und natürliche Kühlung erzeugen.
  • Maschrabiyya‑Elemente:
    Verwendung von traditionellen Holzgittern zur Verschattung.

Diese Kombination kühlt Wohnungen ohne Klimaanlage bis zu 8 Grad herunter und trägt damit aktiv zur Klimaanpassung bei.

Mobilität: Kostenloser ÖPNV & Radnetz

Montpellier setzt stark auf nachhaltige Mobilität. Seit Dezember 2023 können Einwohner den ÖPNV kostenlos nutzen. Die Kosten werden durch Unternehmensabgaben mit finanziert. Für Besucher bleiben die Tickets günstig.

Weitere Maßnahmen:

  • Vélolignes: Ausbau eines 235 km langen Fahrrad‑Expressnetzes.
    Ziel: Anteil des Radverkehrs bis 2030 auf 15 % steigern.
  • Umweltzone (ZFE) seit 2022: ältere Diesel und Benziner werden schrittweise vom Stadtzentrum ausgeschlossen, um die Luftqualität zu verbessern.

Stadtbegrünung & Mikroklima

Montpellier reagierte aktiv auf extreme Hitzeperioden und plante bis 2026 rund 50.000 zusätzliche Bäume zu pflanzen. Dieses Ziel wurde bereits übertroffen. Am 13. Januar 2026 wurde im Stadtteil Mosson symbolisch der 50.000ste Baum seit 2020 gepflanzt. (Neben Bäumen zählte man allerdings auch Sträucher und forstwirtschaftliche Setzlinge mit)

Weitere Maßnahmen:

  • Öko‑Viertel wie Parc Marianne:
    Mit entsiegelten Flächen, Frischluftschneisen und urbanen Parks.
  • Kühlende Grünachsen gegen Hitzeinseln.

Die Stadt zeigt damit, wie Begrünung das Mikroklima spürbar verbessern kann.

Erneuerbare Energien & Wärmeversorgung

Montpellier verfolgt ehrgeizige Energieziele. Bis 2050 soll die Photovoltaik-Leistung vervierfacht und die Biomassenutzung verdoppelt werden.

Geplant ist außerdem:

  • Ausbau eines zentralen Fernwärmenetzes auf 5 Millionen Quadratmeter
  • 80 % der Wärme sollen aus erneuerbaren Quellen stammen

Damit positioniert sich Montpellier als Modellstadt für klimafreundliche Energieversorgung.

Fazit

Hier kann man sehen wie eine wachsende Metropole aktiv Maßnahmen ergreift, um nachhaltiger zu werden und sich dem Klimawandel anzupassen.

  • Lokale Märkte und auch Bio‑Produkte
  • Stadtbild mit Fokus auf Lebensqualität statt Verkehr
  • Radwege bis ans Meer
  • Lagunen mit Flamingos in der Umgebung

Sie wird damit zu einem Beispiel für moderne Stadtentwicklung und Tourismus.

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