Fast Fashion im Überfluss: Wie minderwertige Kleidung unsere Kleidersammlungen belastet

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Ultra-Fast-Fashion verschärft Probleme bei Kleiderspenden

Der Konsum von Kleidung und Textilien in Europa erreicht neue Rekordwerte: 2022 kauften VerbraucherInnen durchschnittlich 19 Kilogramm Textilien pro Jahr, zwei Kilogramm mehr als noch 2019. Diese Entwicklung, so der Dachverband FairWertung, hat gravierende Folgen für Umwelt, Klima und insbesondere für die Qualität der Kleiderspenden.

Gemeinnützige Organisationen in Deutschland sind seit Jahrzehnten zentrale Akteure der Kleiderspende. Sie sammeln, sortieren und verkaufen Kleidung, um soziale Projekte zu finanzieren. Doch dieses System gerät zunehmend unter Druck, weil die Qualität der Spenden kontinuierlich sinkt.

Fast Fashion und Ultra-Fast-Fashion – was steckt dahinter?

Fast Fashion beschreibt ein Geschäftsmodell, bei dem Mode extrem schnell und günstig produziert wird. Marken bringen laufend neue Kollektionen heraus, oft inspiriert von aktuellen Trends. Die Kleidung ist preiswert, aber meist nicht langlebig und wird entsprechend schnell wieder aussortiert. Typische Merkmale:
– kurze Produktions- und Trendzyklen
– niedrige Preise
– große Mengen
– geringe Qualität und kurze Lebensdauer

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Ultra-Fast-Fashion ist die extreme Steigerung dieses Modells. Die für billige Kleidung bekannte Marken aus China bringen täglich tausende neue Artikel auf den Markt, oft innerhalb weniger Tage nach Trendentstehung. Die Preise sind extrem niedrig, die Qualität häufig noch schlechter als bei klassischer Fast Fashion. Typische Merkmale:
– Produktion nahezu in Echtzeit
– riesige Sortimente
– extrem niedrige Preise
– sehr kurze Nutzungsdauer
– kaum Wiederverwendbarkeit oder Recyclingfähigkeit

Diese Entwicklung wirkt sich direkt auf die Kleidersammlungen aus: Ultra-Fast-Fashion-Stücke landen schnell in den Containern. Sie sind getragen, aber qualitativ so minderwertig, dass sie kaum weiterverkauft oder sinnvoll verwertet werden können.

Die über 150 Organisationen, die dem Netzwerk FairWertung angehören, stellten fest, dass die Qualität gespendeter Kleidung immer weiter zurückgeht.

Müllberg mit alten Textilien auf einer Müllkippe
Foto: Müllberg mit alten Textilien auf einer Müllkippe

Warum die Qualität der Kleiderspenden sinkt

FairWertung beschreibt mehrere Trends, die die Kreislaufwirtschaft belasten:
Privatverkauf statt Spende: Viele Menschen verkaufen gut erhaltene Kleidung über
Onlineplattformen. Gespendet wird oft nur das, was übrig bleibt. Dazu gehören häufig beschädigte Kleidungsstücke und/oder nicht verkaufte.
Ultra-Fast-Fashion dominiert: Billige, kurzlebige Kleidung landet schnell in den Sammlungen, ist aber kaum wiederverwendbar.
Kein Wiederverkaufswert: Wenn ein neues Kleidungsstück deutlich weniger als zehn Euro kostet, wäre es gebraucht praktisch ohne Wert. Gemeinnützige Organisationen haben dadurch einen hohen Sortieraufwand, Transportkosten und am Ende kommt die teure Entsorgung noch dazu.

Ein weiterer Grund für die sinkende Qualität der Kleiderspenden liegt in den verwendeten Materialien.

Warum Fast-Fashion-Stoffe kaum recycelbar sind.
Fast‑Fashion‑Kleidung besteht häufig aus billigen Mischgeweben, etwa Polyester mit Baumwolle oder synthetischen Fasern mit Elastan. Diese Stoffe lassen sich technisch kaum trennen und damit nicht recyceln. Auch die extrem niedrige Materialqualität, die durch die Verwendung von dünnen Garnen, minderwertigen Fasern und schlechter Verarbeitung entsteht, führt dazu, dass die Textilien weder für den Secondhand‑Markt geeignet sind noch als Rohstoff für neue Fasern dienen können. Für gemeinnützige Sammler bedeutet das: Ein wachsender Anteil der Spenden ist nicht verwertbar und muss kostenpflichtig entsorgt werden.

Finanzielle Belastung für gemeinnützige Sammler
Die sinkende Qualität der Spenden führt dazu, dass Organisationen immer mehr Ressourcen in Sortierung und Entsorgung stecken müssen. Das reduziert die Mittel, die eigentlich für soziale Projekte vorgesehen sind. Die Kreislaufwirtschaft wird dadurch unterbrochen, obwohl sie ein zentraler Baustein des nachhaltigen Konsums ist.

Fazit:
Ein Umdenken wäre dringend notwendig. Die Entwicklungen in der Textilbranche zeigen klar: Politik, Industrie und VerbraucherInnen müssen gemeinsam handeln. Nur langlebige, reparierbare und recycelbare Textilien können die wachsenden Probleme im Textilkreislauf abfedern. Ein nachhaltiger Wandel muss erfolgen, damit Kleiderspenden weiterhin soziale Projekte unterstützen können und nicht für alle zur Belastung werden.

Meine persönliche Beobachtung ist, dass viele Kleidersammelcontainer in meiner Region, nachdem diese monatelang überfüllt waren und Kleidung außerdem noch überall verstreut herumlag, inzwischen abgebaut wurden. Auch gibt es bei uns schon länger keine jährlichen Sammlungen mehr, bei denen Kleiderspenden am Haus abgeholt wurden. Für NutzerInnen dieser Systeme entfällt damit eine einfache Möglichkeit, diese aktiv zu unterstützen. Am Ende landet alles auf einer Mülldeponie und wird im „besten Fall“ verbrannt, oder aber einfach ins Ausland transportiert und dort zum Problem.
Das macht Fast Fashion dann zu teurer umweltunfreundlicher Mode, und diesen Preis zahlen wir alle.

Quelle für meinen Beitrag:
Presseinformation „Die Quittung zahlen Kleidersammler“ des Dachverbands FairWertung, 26.03.2025. Link: fairwertung.de

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