Ergebnisse Stunde der Wintervögel 2026: Mehr Teilnehmende, weniger Vögel

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Die diesjährige „Stunde der Wintervögel“ hat ein widersprüchliches Bild gezeichnet: Einerseits beteiligten sich so viele Menschen wie seit Jahren nicht mehr, andererseits erreichten die Vogelzahlen einen neuen Tiefstand. Über 145.000 Teilnehmende meldeten 3,27 Millionen Vögel aus mehr als 102.000 Gärten und Parks – ein Plus von rund 20 % gegenüber dem Vorjahr. Die winterliche Witterung mit Schnee und Frost dürfte viele Menschen motiviert haben, sich intensiver mit der Vogelwelt vor der eigenen Haustür zu beschäftigen.

Ein historischer Tiefstand: Nur 32 Vögel pro Garten

Trotz der hohen Beteiligung zeigt die Auswertung einen klaren Negativtrend. Mit durchschnittlich 32 gesichteten Vögeln pro Garten wurde der niedrigste Wert seit Beginn der Aktion im Jahr 2011 erreicht. Damals lag der Schnitt noch bei 45,8 Vögeln. Dieser kontinuierliche Rückgang über 15 Jahre hinweg ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass selbst häufige Arten im Siedlungsraum zunehmend unter Druck geraten.

Sperlinge im freien Fall
Besonders überraschend ist die negative Entwicklung bei den beiden Spatzenarten:

  • Haussperling: –15 % bundesweit
  • Feldsperling:10 % bundesweit
  • In Berlin sogar:
    –45 % (Haussperling) und –30 % (Feldsperling)

Der NABU führt die Rückgänge auf Brutplatzmangel, Nahrungsengpässe, Gebäudesanierungen und den Verlust städtischer Grünflächen zurück. Insektenarmut trifft die Kulturfolger besonders hart, da sie ihre Jungen mit proteinreicher Kost versorgen müssen.

Positive Überraschungen: Meisen, Amseln & Co. legen zu
Nicht alle Trends sind negativ. Einige Arten wurden häufiger beobachtet als im Vorjahr: Kohlmeise, Blaumeise, Amsel, Buchfink, Rotkehlchen

Hier sind die Plätze 1-10 der am häufigsten beobachteten Wintervögel in Deutschland:

Rang    VogelartAnzahl% der
Gärten
Vögel
pro Garten
Vergleich zum Vorjahr
(Vögel pro Garten)
Vergleich zum Vorjahr
(Trend)
1Haussperling47752653,1%4,76-0,89-16%
2Kohlmeise46572990,76%4,55+0,34+8% ➡
3Blaumeise34156681,98%3,33+0,07+2% ➡
4Amsel29317487,91%2,86+0,32+12% ⬆
5Feldsperling20159427,34%1,97-0,22-10%
6Buchfink14506244,15%1,42+0,17+13% ⬆
7Elster12777055,32%1,25-0,14-10%
8Rotkehlchen11390076,6%1,11+0,21+23% ⬆
9Ringeltaube9371128,09%0,91-0,01-1% ➡
10Grünfink7922624,01%0,77-0,06-7% ➡
Quelle NABU: Ergebnisse der Stunde der Wintervögel 2026 Platz 1-10 in Deutschland

Trotz der Rückgänge bleibt der Haussperling bundesweit auf Platz 1 – doch der knappe Vorsprung gegenüber der Kohlmeise deutet an, wie fragil seine Position geworden ist.

Auch mittelhäufige Arten wie Schwanzmeise, Goldammer und Zaunkönig profitierten offenbar von der winterlichen Witterung und suchten vermehrt Futterstellen auf.

Besondere Beobachtungen: Seidenschwänze & Wintergäste

In Norddeutschland kam es zu vermehrten Einflügen von Seidenschwänzen, einem seltenen, farbenprächtigen Wintergast aus der Taiga. Auch weißköpfige Schwanzmeisen aus Skandinavien wurden häufiger gemeldet. Solche Einflüge hängen oft mit Nahrungsmangel in den Brutgebieten zusammen.

Warum die Ergebnisse wichtig sind

Die „Stunde der Wintervögel“ ist Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion. Sie liefert wertvolle Daten über die Entwicklung der Vogelbestände im Siedlungsraum – und die zeigen seit Jahren: Der Rückgang ist real, kontinuierlich und betrifft längst nicht mehr nur seltene Arten.

Hier findet ihr noch einmal die Ergebnisse aus der Zählung von 2025.

Die nächste Gelegenheit zur Teilnahme bietet die „Stunde der Gartenvögel“ vom 8. bis 10. Mai 2026.

Quelle: NABU – „Stunde der Wintervögel 2026“ –
mehr Infos auf der Website des NABU

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