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Plastikmüll und Recycling in der EU – Deutschland – Weltweit: Zahlen und Fakten
Die folgenden Zahlen verdeutlichen die Dringlichkeit effektiver Maßnahmen zur Reduzierung von Plastikmüll und zur Förderung nachhaltiger Recyclingstrategien. Insbesondere Europa muss seine Recyclingkapazitäten ausbauen und innovative Lösungen entwickeln, um die Umweltbelastung durch Kunststoffe zu minimieren.
WELTWEIT
Die Verschmutzung durch Kunststoffe stellt eine wachsende globale Herausforderung dar, insbesondere in Europa, wo die Recyclingquote weiterhin niedrig bleibt. Laut einer aktuellen Studie im Journal „Communications Earth & Environment“ wurden 2022 weltweit etwa 400 Millionen Tonnen Kunststoff produziert, doch nur 38 Millionen Tonnen davon stammten aus recyceltem Material.
Die Studie zeigt, dass 267,7 Millionen Tonnen Plastikmüll entstanden sind, von denen ein großer Teil auf Mülldeponien landete oder verbrannt wurde. Nur 14 % des Plastikabfalls wurden tatsächlich recycelt, was lediglich 9,5 % der gesamten Plastikproduktion entspricht. Besonders besorgniserregend ist die Verbreitung von Mikroplastik, das mittlerweile in Trinkwasser, Lebensmitteln und sogar im menschlichen Blut nachgewiesen wurde.
Die Kunststoffproduktion basiert fast vollständig auf fossilen Rohstoffen wie Erdöl, Kohle und Erdgas, was die Umweltbelastung weiter verstärkt. Prognosen gehen davon aus, dass die globale Plastikproduktion bis 2050 auf bis zu 800 Millionen Tonnen ansteigen könnte.
(Quelle: eigene Recherche)
EUROPA
Problematik – Steigende Kunststoffabfälle auch in der EU: Im Jahr 2021 erzeugte jede Person in der EU durchschnittlich 36,1 kg Kunststoffverpackungsabfälle (ein Anstieg von 29 % seit 2010), von denen lediglich 14,7 kg recycelt wurden.2
Umweltauswirkungen: 2019 gelangten 22 Millionen Tonnen Kunststoff in Böden, Flüsse und Meere. Die Treibhausgasemissionen durch Kunststoffe betrugen 1,8 Milliarden Tonnen.2
Export von Kunststoffabfällen: Die Hälfte des recycelten Kunststoffs wird zur Weiterverarbeitung in Länder außerhalb der EU exportiert, darunter Indien, Ägypten und die Türkei.2
Einige Punkte zu den aktuellen Maßnahmen der EU zur Reduzierung von Kunststoffmüll:
EU-Strategie für Kunststoffe: Die Europäische Kommission hat 2018 eine Strategie verabschiedet, um sicherzustellen, dass bis 2030 alle Kunststoffverpackungen wiederverwendet oder recycelt werden können.1
Neue Vorschriften für Verpackungen: Das Europäische Parlament hat im April 2024 neue Regeln verabschiedet, die eine Reduktion von Verpackungsabfällen um 5 % bis 2030, 10 % bis 2035 und 15 % bis 2040 vorschreiben.1
Verbot bestimmter Einwegkunststoffe: Ab 2030 werden bestimmte Einweg-Plastikverpackungen verboten, darunter Plastiktüten für unverarbeitetes Obst und Gemüse.1
Recyclingziele: Bis 2029 müssen 90 % der Einweg-Getränkeverpackungen aus Kunststoff und Metall getrennt gesammelt werden, um effiziente Recyclingprozesse zu gewährleisten.2
Mikroplastik: Die EU arbeitet an Maßnahmen zur Vermeidung der Freisetzung von Kunststoffgranulat, das in Meeren, Lebensmitteln und Getränken vorkommt.1
Einwegplastik-Verbot: Seit 2019 sind Produkte wie Plastikbesteck, Teller und Luftballonstäbe in der EU verboten.1
Reduktion von Verpackungsabfällen: Die EU-Mitgliedstaaten müssen den Verpackungsabfall pro Kopf bis 2030 um 5 %, bis 2035 um 10 % und bis 2040 um 15 % reduzieren.2
Als Teil des Europäischen Grünen Deals (Green Deal) sollen bis 2030 55 % der Kunststoffverpackungsabfälle recycelt werden. Erforderlich dafür wären bessere Designs zur Wiederverwertbarkeit sowie Maßnahmen zur Stimulierung des Marktes für recycelten Kunststoff. Es ist geplant , dass die Maßnahmen die folgenden Punkte umfassen:2
- Schaffung von Qualitätsstandards für sekundäre Kunststoffe2
- Förderung von Zertifizierungen, um das Vertrauen der Industrie und der Verbraucher zu erhöhen2
- Einführung verbindlicher Vorschriften für den Mindestgehalt an recycelten Inhalten in bestimmten Produkten2
- Aufforderung an die Mitgliedstaaten, eine Senkung der Mehrwertsteuer auf recycelte Produkte in Betracht zu ziehen2
(Quelle Europa: Europäisches Parlament – Die Maßnahmen der EU für weniger Kunststoffmüll in Europa | Themen | Europäisches Parlament 1 und Plastikmüll und Recycling in der EU: Zahlen und Fakten | Themen | Europäisches Parlament 2)
Deutschland
Daten zu Produktion und Verwertung von Kunststoffen im Jahr 2023:
Kunststoffabfälle: Deutschland produzierte 2023 rund 5,9 Mio. Tonnen Kunststoffabfälle, davon 94 % aus dem Endverbraucherbereich (Post-Consumer-Abfälle).
Verwertungsquoten: Im Jahr 2023 wurden fast 99,5 % der Kunststoffabfälle stofflich oder energetisch verwertet. Dabei wurden 38 % werkstofflich recycelt, während 61 % ! energetisch entsorgt wurden.
- Produktion und Verwendung: Die Menge an Kunststoffneuware sank im Vergleich zu 2021 um 8,5 %. Primärkunststoffe (aus fossilen Rohstoffen) machten 10,4 Mio. Tonnen aus, ein Rückgang von 11,4 %.
Von den 5,91 Millionen Tonnen (Mio. t) Gesamt-Kunststoffabfällen wurden 2,27 Mio. t, oder 38,4 % werk- und rohstofflich/chemisch genutzt. - 3,61 Mio. t oder 61,1 % wurden energetisch verwertet – 2,25 Mio. t davon in Müllverbrennungsanlagen, 1,36 Mio. t ersetzten als Ersatzbrennstoff fossile Brennstoffe etwa in Zementwerken oder Kraftwerken.
- 32.000 t, etwa 0,5 %, wurden beseitigt. Diese Kunststoffabfälle wurden also deponiert oder in Anlagen ohne hinreichende Auskopplung von Energie verbrannt.
Kunststoffvielfalt: Die fünf meistverarbeiteten Kunststoffarten sind Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polyvinylchlorid (PVC), Polyethylenterephthalat (PET) und Polystyrol.
Rezyklateinsatz: 1,93 Mio. Tonnen recycelter Kunststoff wurden für neue Produkte genutzt, besonders im Bauwesen und für Verpackungen.
Aus Umweltperspektive muss eine verstärkte stoffliche Verwertung erfolgen, um den Kunststoffkreislauf nachhaltiger zu gestalten.
(Quelle Deutschland: Umweltbundesamt – Kunststoffabfälle | Umweltbundesamt )

